Mysteriöser Achilles Teil VII – Von dem (jungen) Hüpfer lass ich mir den Sommer nicht versauen

9.7.2018: Kontrolle ist besser …

Sieben Wochen nach dem Tritt: Dr. Reick ist heute nicht in der Praxis. Doch ich werde bei seinem Kollegen vorstellig, erhalte sechs weitere Einheiten Physio und werde für zwei weitere Wochen arbeitsunfähig erklärt.
Zudem habe ich heute mal wieder das Maßband gezückt. Das betroffene Beinchen weist nun einen Wadenumfang von 35 Zentimetern auf. Das ist wieder ein Zentimeter mehr als noch vor zehn Tagen. Dafür ist jedoch auch rechts ein halber Zentimeter weg. Der Optimist schiebt es auf ein schlampiges Messergebnis. Allerdings habe ich mindestens fünfmal nachgemessen :-/
Das mickrige Bein punktet dafür am Knöchel: 21,5 Zentimeter. Die definierte rechte Seite hat nur schlanke 20 cm. Das sind 7,5 Prozent weniger Umfang. Und die sieht man nicht nur in der Dicke, sondern eben auch in der Form. Ich fühle mich immer ein wenig an die Handgelenke meiner über Großmutter erinnert. Aber auch diese Schwellungen wird hoffentlich irgendwann wieder gehen.

Quälix sagte, das läge daran, dass bei dem Tritt auch viele Lymphbahnen zerstört worden sind. Und wo keine Lymphgefäße mehr sind, kann eben auch keine Flüssigkeit abtransportiert werden. Geduld! Die wachsen wieder nach!

 

 

10.7.2018: Den Stiefel ziehe ich mir nicht (mehr) an 

Ok, die Subline lügt, denn in Ausnahmesituationen trage ich die Orthese noch immer. Zum Beispiel bei der Gartenarbeit. Das gibt mir einfach ein besseres Gefühl und ich muss nicht über jeden Schritt nachdenken.
Ansonsten gebe ich Gas, wo ich nur kann, bemühe regelmäßig Terraband und Faszienrolle. Mein Therapeut Quälix schimpft gelegentlich deswegen mit mir. Ich solle es nicht übertreiben. Aber ich denke, das tue ich nicht. Nachmittags folgt jedoch wieder eine 10km-Fahrradtour.

 

 

11.7.2018: Mächtiger Badaboom

Auf dem Weg zu meiner ersten PowerPlate-Einheit mit Herwig hat es richtig geknallt. Eigentlich wollte ich nur fix einen Brief in den Briefkasten einwerfen und fuhr deswegen auf der Stromer Landstraße mal eben rechts ran. Bevor ich wieder in meinen Wagen steigen konnte, musste ich den Verkehr passieren lassen. Joa und das war das Problem. Ein vorbeifahrender LKW erzeugte einen gewaltigen Luftsog, zog meine offenbar nicht ordnungsgemäß geschlossene Tür ein Stück auf und ballerte dagegen. So etwas kann auch wirklich nur mir passieren.
Völlig ruhig, aber irgendwie doch fassungslos stand ich wie in einem SlapStick-Streifen vor meinem Auto, blickte dem LKW hinterher, merkte mir zumindest noch die Spedition und konnte es eine Weile lang nicht fassen. Fix machte ein, zwei Fotos, notierte die Uhrzeit und ab ging's zu Herwig. Glücklicherweise konnte ich die Tür ordnungsgemäß schließen. Selbst die elektrischen Fensterheber funktionieren noch. Nur … nun geht die Tür nicht mehr auf :-/
Welch ein Glück, dass ich wieder halbwegs mobil bin und meinen Wagen somit elegant über den Beifahrersitz entern und verlassen kann.
Beim DRK angekommen, fragte sich Herwig insgeheim sofort, was mit mir los sei, sagte jedoch nichts. Erst als ich erwähnte, dass es mir, dafür dass ich gerade so etwas wie einen Unfall hatte, eigentlich ganz gut gehe, wurde ihm klar, warum ich nicht so sprudelnd-gesprächig sei wie sonst ;-)
Nach der Anamnese meines Beinchens ging's dann ans Programm: Auf einem Bein stehen und nen Ball hin und her werfen, Dehnen, Strecken, Rütteln und dann eine Eingewöhnungseinheit PowrX mit SwingStick, bei der ich – anders als die anderen Teilnehmer – die jeweiligen Übungen nur 40 statt 50 Sekunden durchführte. PowerPlate und SwingStick: beides Neuland für mich. Mir ist überraschend warm geworden ;-)

Wie das Ganze aussieht, zeigt das Bild von Herwig.

 

13.7.2018: Doppelt hält besser

Gestern Physio, heute PowrX mit Hanteln und im Anschluss gleich noch ne Runde AquaCycling im ULC. Klappt alles prima. Denke ich zumindest. Das Beinchen nimmt mir die vielen Aktivitäten zwar am Abend immer etwas übel, schmerzt ein wenig und ich selbst bin schlagkaputt, aber von nix kommt ja bekanntlich nix.

 

 

14.7.2018: Kaltes klares Wasser

Quälix hat mir Wechselbäder empfohlen, um die Durchblutung anzukurbeln. Ich bereite also zwei Behälter vor. Gar nicht so einfach in so einem ganz normalen Haushalt adäquates Material zu finden. Aber es gelingt. Einen Bottich fülle ich mit Grundwasser und Kühlakkus, einen mit heißem Wasser. Dann wird das Füßlein getaucht. Etwa zehnmal jeweils zwei Minuten, begonnen und beendet mit der kalten Suppe. Danach geht’s unter die neutrale Dusche. Zu meiner Verwunderung wird die Mauke gar nicht sooooo rot wie ich erwartet habe.

 

Seit zwei Tagen ist die linke Ferse äußerst schmerzhaft. Okay, die habe ich ja auch einige Wochen entlastet und nun soll sie es wieder tun … Da würde ich mich vielleicht auch erst einmal etwas wehren. Aber so sehr muss sich doch wirklich nicht weh tun, oder?

Abends messe ich mal wieder den Wadenumfang links: 36 cm, rechts: 37 cm
Knöchel: 22 cm und 20 cm. Warum wird das Ding denn noch immer dicker?

 

 

KW 29 // 16. bis 20.7.2018: Sport, Sport, Sport

Die letzte Woche beendete ich mit einem Flohmarktbesuch. Da konnte ich beim langsamen, gleichmäßigen Gehen in aller Ruhe meinen Laufstil schulen.

Und auch diese Woche war ich richtig fleißig:

Montag: Physio, PowrX mit Pilatesring und Ball, AquaCycling
Mittwoch: Wechselbäder sowie PowrX mit Pilatesring und Ball
Donnerstag: Physio und eine ausgedehnte Tour zu Fuß durch die Stadt
Freitag: AquaCycling

 

Am Ende des Kurses habe ich noch mal versucht, ob ich endlich wieder schwimmen kann, denn bisher hing der Fuß nur schlaff rum und verursachte Schmerzen beim Beinschlag. Aber tadaaa: das geht wieder. Insgesamt habe ich das Gefühl, gewaltige Fortschritte zu machen. Wenn ich mir richtig Mühe gebe, sieht man mir die Verletzung beim Laufen nun nicht mehr an. Quälix hat also bald keinen Grund mehr zu schimpfen.

 

 

21.7.2018: Kroatien, ich komme!

Unverhofft kommt oft. Heute breche ich mit Axel nach Kroatien auf. Mein erster WoMo-Urlaub seit knapp 20 Jahren. Die Chance musste ich unbedingt ergreifen, um die verlorenen Freuden des Sommers nicht Überhand nehmen zu lassen. Auch wenn mir dadurch die langersehnte Breminale komplett durch die Lappen geht.
Physio setze ich somit eine Woche aus. Quälix ist damit einverstanden und hat keine Bedenken. Den Stiefel soll ich zuhause lassen. Den brauche ich nun nicht mehr :-) Prima!
Und auch weitere Erfolge sind zu vermelden. So kann ich zum Beispiel beim Staubsaugen den kleinen Teppich im Schlafzimmer wieder mit dem Fuß fixieren, während der Saugkopf rüberfährt. Toll, oder?

 

 

22. bis 29.7.2018: Ab in den Urlaub

Samstag geht’s los, eine Übernachtung am Chiemsee, Sonntag wunderschönes Koper in Slovenien, dann zwei Tage und Nächte in Rovinj mit viel mehr Radfahren als geplant, dann Dienstag ein Pausentag für die geschundenen Glieder, an dem wir nach Pula übersiedeln … oder so. Denn nach nur 10 km Landstraße haben wir um die Mittagszeit einen Unfall.
Kurzfassung: Der Camper ist nicht mehr fahrtüchtig. Polizei, Abschleppwagen, das volle Programm. FunFact am Rande: Hat schon mal jemand das Smartphone eines Polizisten mitgenommen? Ich ja ;-)
Da Google bekanntlich jedermanns Freund ist, beginnt im Fahrzeugdepot die Recherche. Was würde man in einer solchen Situation eigentlich früher ohne Smartphone gemacht? Zum Glück wurden zudem ja kürzlich die teuren Roaming-Gebühren eingestampft. Dank der modernen Technik entschließen wir uns kurzerhand und notgedrungen doch wieder auf die Räder zu steigen und ein Bed&Breakfast in Labin anzufahren. Dort wollen wir dann schauen, wie es weitergeht. Sind ja nur 17 Kilometer. Viel Gepäck haben wir nicht aus dem Camper retten können: eine Packtasche und jeder einen Rucksack. Absolut fahrradtauglich.
Die ersten 9 km sind in Windeseile überwunden: Über Serpentinen geht es zügig bergab durch die kroatischen Berge. Blöd nur, dass es in ähnlicher Manier bald schon wieder bergauf geht. Dank meiner nicht voll einsatzfähigen linken Wade, der noch immer beträchtlichen Menge Heparin in meinem Blut und den tropischen Temperaturen pumpe ich wie ein Maikäfer. Mein Knöchel-Wadenbereich sieht bald aus, als hätte ich mindestens 30kg Übergewicht. Speck- bzw. Wasserrollen zieren nun das Fußgelenk. Echt sehenswert!

 

Völlig entkräftet erreichen wir endlich (nach zwischenzeitlichem Schieben) das anvisierte Bed&Breakfast und blicken der Realität ins Auge, die mir unterwegs kurzzeitig schwarnte:
Es ist voll! F***

Die engagierte Dame an der Rezeption versorgt und mit dem besten Birnensaft meines Lebens (Standard-Produkt aus nem Tetrapack) und telefoniert sich für uns durch den halben Ort.
Nix! Und nun? Wieder Google befragen. Campingplatz in 5,8 km am Meer. Das geht dann ja wohl wieder bergab. Also los! Ja, im Prinzip ginge es wohl nur bergab. Wenn man sich nicht unnötigerweise noch verfahren würde.

Den rechten Weg endlich gefunden, sind wir fix unten. Der Campingplatz ist jedoch in etwa so attraktiv wie die nebenstehenden Grusel-Hotelburgen, die dennoch komplett ausgebucht sind. Dafür glänzt die Ferienstätte mit saftigen Preisen. Wir entschließen uns für das Beste, was man in einer solchen Situation tun kann: Biertrinken. Dann setzen wir den ADAC auf die Hotelsuche an und befragen die Kellnerin nach Übernachtungsmöglichkeiten im Ort, die sehr süß sagt, sie würde uns ja mit zu sich nach Hause nehmen, aber sie habe nur zwei Zimmer.
Es wird spät und später: Keine Rückmeldung vom ADAC. Wir radeln also in den Ort Rabac (gesprochen Rabatz), obwohl wir heute schon genug Rabatz hatten. Dabei kommen wir an kleinen Touristic-Büros vorbei, die Zimmer und Apartments im Ort vermieten. Spontan frage ich nach. Die Frau an der Rezeption wird für die nächsten Tage meine beste Freundin. Sie vermittelt uns zunächst für drei Tage ein kleines Apartment mit Terrasse. Ohne es vorher zu besichtigen, stimmen wir zu. Es reicht. Wir sind fertig. Schon längst! Duschen, bitte duschen!
Es ist etwa halb zehn als sich endlich der ADAC meldet und uns mitteilt, dass es sehr schwierig sei, noch eine Unterkunft für uns zu finden. Der Herr am Telefon ist demnach sehr erleichtert, dass wir selbst fündig geworden sind.

 

Am nächsten Tag (Mittwoch) beschließen wir aufs Neue, aus der Situation nun das Beste zu machen. Wir sind am Meer, die Sonne scheint, … das sollte sich doch trotz des ganzen Orga-Krams aushalten lassen. Wir gehen Schnorcheln und Baden und alles ist chic. Auf dem Rückweg zum Apartment gönnen wir uns jeder eine Kugel Eis: Tiramisu für die Dame und klassisch Schoki für den Herren. Zwei Stunden später soll sich herausstellen, dass Schoki der größte Fehler des Tages/der Woche/des Urlaubs gewesen ist. Es folgt eine heftige Lebensmittelvergiftung mit tagelangen schweren Durchfällen und einem beinahe Kreislaufkollaps am Freitag direkt vor der örtlichen Ambulanz, der eine Infusion nach sich zieht. Nicht, dass der Unfall nicht schon blöd genug gewesen ist, nun gibt es auch noch ganz andere Problem. Der Mann wird ins Krankenhaus nach Pula überwiesen, wir fahren dort jedoch nicht hin. Es geht ihm glücklicherweise etwas besser, der Aufwand sei zu groß, ich besorge Medikamente aus der Apotheke … wir sind zwei emotionale Wracks und müssen just jetzt auch noch eine neue Unterkunft finden. Das ist dank meiner neue Freundin im Touristic-Büro schnell getan, auch wenn die Auswahl dürftig ist und wir uns mit der neuen Bleibe wirklich nicht verbessert haben.

Am Freitag Abend dann endlich Auskunft aus der Werkstatt. Die Reparatur des Campers dauert mindestens zwei Wochen. Wir reisen ab bzw. werden Samstag Abend abgeholt. Camper und Fahrräder verbleiben vorerst in Kroatien. Sonntag Mittag erreichen wir Bremen und brauchen Urlaub vom Urlaub. Meine Beinchen schmerzen beide wie Hölle.

 

 

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