Unterwegs zum Menschen

 

"Vielleicht ist es an der Zeit den Humanismus wieder zu denken. Nicht um sich auf alte Werte zu berufen oder diese einzufordern. Aber ebenso wenig um den Menschen zu vergessen. Vielmehr, um den Menschen erneut zu denken. Den Humanismus also denken nicht um einen Antwort zu erlangen, sondern um die Frage nach uns zu stellen und damit uns und unserer Gegenwart begegnen zu können."


Mit diesem Text lockte Dr. Kai Hochscheid in sein Seminar "Unterwegs zum Menschen: Der Humanismus und das Denken des Menschen". Hätte ich doch gewusst, was mich dort erwartet ... Neben diesem hochgebildeten Mann, der sich sprachlich weitaus eleganter ausdrückt, als ich es in Schriftform vermag, sah ich mich mit Texten konfrontiert, bei deren Versuch sie zu verstehen, meine Hirnwindungen ächzten. Ja, das Denken tat weh. Sehr weh. Kai Hochscheid versicherte uns aber, dass das Schmerzen beim Lesen von humanistischen Texten irgendwann nachlassen würde ... meist nach einigen Jahren.

So versuchte ich also die mir angediehenen Weisheiten zu verstehen, um am Ende des Semesters entweder einen Essay über ein von mir gewähltes Thema zu verfassen oder aber ein vom Seminar beeinflusstes Kunstwerk zu werken. Aus Angst, nicht ansatzweise so schreiben zu können, wie es mit dem Thema angemessen erschien, entschied ich mich für die illustrative Interpretation der gelesenen Texte.

 

 

 

Pico della Mirandola: Das Wesen des Menschen ist nicht präfiguriert.

Also nahm er den Menschen hin als Schöpfung eines Gebildes ohne besondere Eigenart, stellte ihn in den Mittelpunkt der Welt. (...) Du wirst von allen Einschränkungen frei nach deinem eigenen freien Willen dem ich dich überlassen habe, dir selbst deine Natur bestimmen. (..) Dem Mensch hat bei der Geburt der Vater Samen jedweder Art und Keime zu jeder Form von Leben mitgegeben. Die, die jeder pflegt, werden sich entwickeln und ihre Früchte an ihm tragen: Sind sie pflanzlicher Natur, wird er zur Pflanze werden. Sind es Keime der Sinnlichkeit, so wird er zum Tier werden.  Sind es Keime der Vernunft, so wird er zum himmlischen Wesen werden.Sind es Keime des Geistes, wird er ein Engel sein und Gottes Sohn. Und wenn er unzufrieden ist mit jedem Lose der Geschöpfe und sich zurückzieht in den Mittelpunkt des eigenen einheitlichen Wesens, wird er mit Gott zu einem Geist vereint im einsamen Dunkel des Vaters, der über alle Dinge gesetzt ist, alle Geschöpfe übertreffend.

 

 

Giorgio Agamben: Verschiebbarkeit der Definition (siehe Titelbild oben)

Das kognitive Experiment, von dem hier die Rede ist, betrifft letztendlich die Natur des Menschen – genauer aber: die Herstellung der Definition dieser Natur des Menschen –, es ist ein Experiment der hominis natura. (..) Vielleicht sind auch die Konzentrations- und Vernichtungslager ein Experiment dieser Art, ein rücksichtsloser und monströser Versuch der Unterscheidung zwischen dem Humanen und Inhumanen, der die Möglichkeit zur Unterscheidung selbst in seinen Vernichtungssog gezogen hat.

 

 

 

 

Martin Heideggers Ontologische Differrenz/Seinsvergessenheit
Wenn alles Seiendes ist, was ist dann das Sein?
Das Seiende ist das Dasein der Dinge, das Sein ist das Wesen der Dinge.
Sprich: Existenz vs. Vorhandenes

Der Mensch muß, bevor er spricht, erst vom Sein sich wieder ansprechen lassen auf die Gefahr, daß er unter diesem Anspruch wenig oder selten etwas zu sagen hat. (...) Soll aber der Mensch noch einmal in die Nähe des Seins finden, dass muss er zuvor lernen, im Namenlosen zu existieren. (...) Der Mensch aber ist nicht nur ein Lebewesen, das neben anderen Fähigkeiten auch die Sprache besitzt. Vielmehr ist die Sprache .das Haus des Seins, darin wohnend der Mensch ek-sistiert, indem er der Wahrheit des Seins, sie hütend, gehört.

 

 

Jean-Luc Nancy: Singuläre Pluralität
Kant sprach von einer individuellen Autonomie, die dort endet wo die Freiheit des anderen beginnt. Anders sah es Nancy, denn er meint:

Nun beginnt meine Freiheit nicht dort, wo die des Anderen endet, sondern meine Freiheit beginnt dort, wo die des Anderen beginnt.

Erst in Gemeinschaft wird also die Freiheit möglich. Mit Anderen zu sein, erfordert Toleranz. Denn ich bin nur in so weit frei, wie ich auch die Freiheit der Menschen um mich herum respektiere und ihre Grenzen achte.

 

 

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