Arbeitstitel Krokohaut

 

Im Kurs Materialoberflächen, Texturen und Narbungen von Professor Alexander Sahoo setzte ich mich zum ersten Mal mit der haptischen Erfahrung von Gegenständen und deren Texturen auseinander. Kursziel war die Entwicklung einer eigenen Texturen-Kollektion inklusive fotografischer Dokumentation und der Präsentation der Ergebnisse.

 

Eine Oberflächenstruktur wird neben dem Sehsinn ganz wesentlich durch den Tastsinn erlebt. Der Kurs sollte daher die Teilnehmer für haptischen und visuellen Qualitäten von Produkten sensibilisieren. Ist eine Oberfläche rau, glatt, samtig, satiniert, grobkörnig, hochglänzend, seidenglänzend oder noch anders beschaffen?
Die Möglichkeiten, Texturen zu gestalten, sind dabei sehr vielfältig. Als Grundmaterial kommt quasi alles in Frage. Durch unterschiedliche Verfahren kann die Materialoberfläche manipuliert oder durch Urformen, Umformen, Trennen, Fügen, Beschichten oder dem Ändern der Stoffeigenschaften neu erzeugt werden.

 

Von Beginn an wollte ich gern zum Thema Recycling arbeiten. „Minderwertige“ Produkten einem neuen Nutzen zuzuführen, schien mir sinnvoll. Nach ersten Experimenten, in denen ich Beton mit Zusatzstoffen anreicherte oder aus Altpapier neue Papiere schöpfte, fiel die Wahl auf die gemeine Plastiktüte. Ich zerschnitt sie, schmirgelte sie, knüllte sie, knotete sie, reckte sie, … ui, das ist interessant! Synthetische Krokohaut! Das rettet sicher das ein oder andere Tierleben. Eigentlich war es eher allgemein Reptilhaut, welche gerade entstand, aber wie es oft so ist, hatte sich der Arbeitstitel Krokohaut schon hartnäckig manifestiert.

 

 

Im Laufe der Zeit weitete ich die vielversprechende Manipulationsform Recken auf Müllbeutel, Blaue Säcke, Einkaufstüten und Folien aus und erzeugte so durch die unterschiedliche Stärken des Aus- gangsmaterials verschiedene Optiken, Haptiken und Leichtigkeiten. Insgesamt entstanden zwölf Oberflächen in unterschiedlichen Medien. Neben den gereckten Polyethylenfolien erstellte ich auch diverse Gipsabgüsse und schöpfte die Reptilstruktur als Papier. Die Ergebnisse lichtete ich im HFK-Fotostudio ab und erstellte daraus Fotostreifen, die ich zu einem Musterfächer band.

 

Die wesentlichen Eigenschaften der Kroko-Textur liegen in der interessante Haptik und Optik. Sie ist zudem schmutz- bzw. feuchtigkeitsabweisend und recyclebar. Einige Exemplare sind blickdicht, andere lichtdurchlässig oder leicht transparent.

 

Für die Präsentation schnitt ich die Folien in annähernd gleiche Formate und versah sie mit Heftlaschen, mit denen ich sie in einen Order heften kann. Gleichzeitig ermöglichen mir die Laschen ein freies Aufhängen im Raum im Rahmen späterer Ausstellungen.

 

Eine ausführliche Dokumentation meines Arbeitsprozesses steht hier zum Download als PDF bereit. Sie gibt detailliert Einblick in meine Vorüberlegungen und beleuchtet ergänzend unerwartet aufgetretene Probleme.

 

 

 

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